2 Generationen, 2 Meinungen, 1 Wahl – Ein Gespräch mit meiner Oma

Neulich habe ich mich mit meiner Oma über die Bundestagswahl und unser Projekt unterhalten. Wie zu erwarten, waren wir nicht in allen Punkten einer Meinung und doch war es eine äußerst interessante Diskussion. Hier ein kurzer Ausschnitt aus unserem, am Ende über 60 minütigen Gespräch: 

Else: Warum wollt ihr gerade die jungen Leute ansprechen? Sind die Mehrheit der Unentschlossenen eher junge Leute oder alte Leute?

Nicolas: Es gibt unheimlich viele junge Leute die nicht wählen. Wir haben ja auch bei den Wahlen in Amerika und dem Referendum in England gesehen, dass sich die jungen Leute zu sicher waren, wie das Ergebnis sein wird und deshalb zu Hause geblieben sind.
Während der Debatten auf dem Kongress Junger Demokraten in Berlin vor 2 Wochen habe ich aber auch den Eindruck gewonnen, dass einige junge Menschen nicht wählen, weil sie denken nicht gut genug über die Kandidaten Bescheid zu wissen, obwohl sie mehr wissen als die Mehrheit der wählenden Bevölkerung. Wie ist das bei dir? Liest du Wahlprogramme bzw. verfolgst du den Wahlkampf?

Else: Nein, ich brauche keine Wahlprogramme oder Versprechungen von irgendeiner Partei. Ich verfolge den politischen Alltag die ganze Zeit, durch Nachrichten, Talkshows und andere Berichterstattung und bilde mir dadurch ein Urteil über die Parteien und ihre Politiker. Für mich ist der Wahlkampf nicht notwendig, weil das was durch den Wahlkampf vermittelt wird für mich nichts Neues ist.  Und auch so kommt es selten vor, dass die Parteien ihre Versprechen halten, vor allem, weil äußere Umstände wie aktuelle Ereignisse oder auch notwendige Kompromisse mit Koalitionspartnern sie daran hintern.

Nicolas: Und doch hast du bisher in jeder Wahl teilgenommen, an der du teilnehmen durftest?

Else: Ja, an jeder.

Nicolas: Warum?

Else: Für mich stand es nie in Frage ob ich wählen gehe oder nicht. Und ich habe auch, zumindest am Anfang den direkten Zusammenhang zwischen meiner Stimme und besseren Lebensumständen für mich persönlich gesehen. Ich habe lange Jahre für die SPD gewählt, weil sie in den späten 1960ern und 1970ern sehr viel für uns Spätaussiedler getan hat. Zwar hat Adenauer uns ermöglicht ins Land zu kommen, aber es war die SPD, die sich dafür eingesetzt hat, dass unsere Qualifikationen, die wir erworben hatten bevor wir gekommen sind, anerkannt werden. Außerdem gab es Hilfen um Wohnungen zu finden. Weil ich im öffentlichen Dienst gearbeitet habe, habe ich ein Zinsloses Darlehen von 19000 DM bekommen, um mir eine Wohnung zu kaufen. Das war natürlich eine enorme Hilfe.
Aber seit die SPD mit den Grünen zusammenarbeitet, wähle ich die SPD nicht mehr, weil ich die Grünen für nicht regierungsfähig halte und, weil ich viele ihrer Politiker nicht mag, wie zum Beispiel Claudia Roth.

Nicolas: Aber sind es nicht oft die kleinen Parteien wie die Grünen, die wichtige Impulse setzten in unserer Politik? Die Grünen haben die Umweltpolitik salonfähig gemacht in den 1980ern. Vor ein paar Jahren haben die Piraten einen großen Beitrag dazu geleistet, dass das Thema Datenschutz und Netzpolitik im Allgemeinen von den großen Parteien aufgegriffen wurde.

Else: Das stimmt, die kleinen Parteien haben auch ihren Nutzen

Das Gespräch ging weiter über Themen wie die Ehe für alle und die Flüchtlingspolitik, die vielleicht an anderer Stellt aufgegriffen werden

Das Gespräch führten Nicolas M ( 2. Bundestagswahl) und Else K. ( 13. Bundestagswahl)

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